Privatseite von Christian Keitel, welcher hobbymäßig als paranormaler Ermittler unterwegs ist.

Paranormal-Erforscher Chris

Plinius der Jüngere


  Plinius der Jüngere


Es war einmal, vor recht langer Zeit.


Geistererscheinungen gibt es ja nicht erst seit ein paar Jahren. Hier möchte ich einen Brief wiedergeben, den Plinius der Jüngere (1.- 2. Jahrhundert) an Sura geschrieben hat. Um ehrlich zu sein, u.a. dieser Brief, bzw. die darin enthaltene Geschichte, hat mich auch dazu bewegt, diesen Phänomenen auf den Grund zu gehen. Ich sagte mir damals, dass es da etwas geben muss, wenn schon rund um die Welt und durch alle Zeiten hindurch, etwas darüber zu finden ist. Zumal es auch oft auf die selbe weise Dargestellt wird.
Oft wird ja auch gesagt, zumindest hab ich es oft gelesen, dass Plinius der erste „Ghosthunter“ war. Für alle, die es noch nicht kennen, macht euch selbst ein Bild. Hier habe ich den Brief mal niedergeschrieben. Hier und da kann es Abweichungen zu den verschiedenen Übersetzungen geben.
 


Plinius an Sura

„Meine freie Zeit gibt mir Gelegenheit, etwas von dir zu lernen, und dir,mein Lehrer zu sein. Ich möchte nämlich gern folgendes wissen: Glaubst du, dass es Gespenster gibt? Haben sie eigene Gestalt und irgendeinen Einfluss, oder sind es leere und eitle Gebilde, die lediglich unserer Angst ihr Dasein verdanken?

An Gespenster zu glauben, werde ich vor allem durch eine Geschichte veranlasst, die, wie ich hörte, Curtius Rufus begegnete. Bis dahin in ärmlichen Verhältnissen lebend und noch unbekannt, befand er sich im Gefolge des Statthalters von Afrika. Gegen Abend ging er einmal in einem Säulengang auf und ab; da erscheint ihm eine Frauengestalt von übermenschlicher Schönheit. Er erschrak, sie aber sagte: >> Ich bin Afrika und weiß die Zukunft zu künden; du wirst nach Rom gehen, daselbst hohe Posten bekleiden, sodann als Statthalter in diese Provinz zurückkehren und hier sterben.<< Alles ist eingetroffen. Als er in Karthago landete und aus dem Schiffe stieg, soll ihm überdies die gleiche Gestalt am Ufer begegnet sein.

Jedenfalls erkrankte er bald, und da er aus dem Vergangenen auf die Zukunft, aus der günstigen Voraussage aus die üble einen Schluss zog, ließ er alle Hoffnung auf Genesung fallen, obschon niemand von den Seinigen daran zweifelte.

Und ist folgende Geschichte, die ich wiedergebe, wie ich sie erfuhr, nicht noch schauerlicher und seltsamer? In Athen stand ein großes, geräumiges Haus, aber als Verderben bringend verrufen. Im Schweigen der Nacht vernahm man Eisengerassel und bei aufmerksamerem Hinhorchen Klirren von Ketten, zuerst entfernter, dann ganz aus der Nähe. Bald danach erschien ein Gespenst, ein abgemagerte, von Schmutz starrender alter Mann mit langem Bart und struppigem Haar; an den Beinen trug er Fußfesseln, an den Händen Ketten, die er schüttelte. Die Hausbewohner gingen darum aus Angst nicht schlafen und verbrachten qualvolle Schreckensnächte. Auf die Schlaflosigkeit folgte Krankheit und bei zunehmender Angst der Tod. Denn auch bei Tage, wo das Gespenst nicht zu sehen war, schwebte das Erinnerungsbild davon vor Augen, so dass das Entsetzen noch länger währte als sein Anlass. Das Haus blieb hernach verödet, zur Verlassenheit verdammt und ganz jenem Gespenst preisgegeben. Dennoch schrieb man es zur Versteigerung aus, in der Erwartung, es könnte jemand im Unkenntnis der bösen Sachlage es kaufen oder mieten wollen.

Da kommt der Philosoph Athenodorus nach Athen. Er liest den Anschlag, erfährt den Preis, und da ihm die billige Preislage verdächtig vorkommt, erkundigt er sich näher, hört von allem und mietet das Haus dennoch, vielmehr um so lieber. Sobald die Dämmerung einbricht, lässt er sich im Vorderhaus ein Lager herrichten, ersucht um Schreibtafel, Griffel und Lampe; dann entlässt er seine Leute in die inneren Gemächer. Er selbst richtet Geist, Augen und Hand energisch aufs Schreiben; das unbeschäftigte Gehirn sollte sich nicht die leeren Schreckgebilde, von denen die Rede war, vorstellen. Anfangs nun, wie überall, tiefste Nachtstille; dann klirrt Eisen, Ketten rasseln, Athenodorus hebt den Blick nicht, legt den Griffel nicht nieder; sein Geist bleibt gefasst und gegen die Gehörseindrücke gewappnet. Da wird das Getöse lauter, dringt näher; nun scheint es bereits auf der Schwelle zu sein, nun sogar im Zimmer. Er blickt auf, sieht und erkennt das Gespenst, wie man es ihm beschrieben. Es steht da und winkt mit den Fingern, als ob es ihn zu sich rufen wolle. Er dagegen gibt mit der Hand ein Zeichen, sich ein wenig zu gedulden, und schreibt weiter, ganz in die Arbeit vertieft. Nun rasselte es mit den Ketten über seinem Haupt. Abermals blickt er auf und sieht es winken wie vorher. Nun bleibt er nicht länger, ergreift die Lampe und folgt ihm. Mir langsamem Schritte, wie beschwert von den Ketten, schreitet das Gespenst voran. Kaum in den Haushof gelangt, verschwindet es plötzlich und lässt seinen Begleiter allein. Der bezeichnet die Stelle mit abgepflücktem Gras und Laub.

Am nächsten Tage begibt sich Athenodorus zur Behörde und ersucht, den Platz aufgraben zu lassen. Man findet Gebeine, von Ketten völlig umstrickt, nackt und zerfressen, wie sie der durch die lange Zeit im Erdreich vermoderte Körper in den Ketten hinterlassen hatte. Die Überreste werden gesammelt und auf Staatskosten beigesetzt. Die gebührende Bestattung war erfolgt, und von da an blieb das Haus von Geistererscheinungen frei. - Soweit, was ich auf die Versicherung anderer glaube; aber was ich jetzt erzähle, kann ich selbst bezeugen.

Ich habe einen Freigelassenen, der einige Bildung besitzt. Mit diesem schlief sein jüngerer Bruder im gleichen Bette. Dem kam es im Traume so vor, als sehe er einen Mann an seinem Bette sitzen: der hielt ihm die Schwere an den Kopf und schnitt ihm die Haare vom Scheitel. Als es Tag wurde, fand man ihn wirklich rings um den Scheitel geschoren und die Haare herum liegen. Nur kurze Zeit verging, und ein ähnlicher Vorfall bestätigte den früheren. Einer meiner jungen Diener schlief mit mehreren anderen zusammen in der Erziehungsanstalt; da kamen, so berichtete er, zwei Gestalten in weißen Hemden durch das Fenster, schnitten ihm, während er im Bette lag, die Haare ab und verschwanden, wie sie gekommen waren. Auch ihn fand man bei Tagesanbruch geschoren und rings umher die Haare liegen. Es folgte weiter nichts von Bedeutung, außer etwa, dass ich nicht angeklagt wurde – was aber gewiss geschehen wäre, wenn Domitian, unter dessen Regierung sich der Vorfall ereignete, länger gelebt hätte. Denn unter seinen Schreibsachen fand sich eine Anklageschrift gegen mich, die Carus eingereicht hatte. Da es nun Sitte ist, dass Angeklagte ihre Haare wild wachsen lassen, do lässt sich der Schluss ziehen, dass die angeschnittenen Haare meiner Leute die Abwendung einer mir drohenden Gefahr bedeuteten.

Ich bitte dich nun, bemühe ernstlich deine ganze Gelehrsamkeit! Die Sache verdient eine ausgiebige, tiefe Überlegung, und ich bin doch wohl nicht unwert, dass du mir aus deinem Wissensschatze Mitteilung machst. Und wenn du auch deiner Gewohnheit gemäß für und wider die Sachen etwas zu sagen weißt, so bringe doch für die eine Seite stärkere Gründe vor. Ich möchte nicht gern in gespannter Unsicherheit bleiben, denn ich habe dein Urteil deshalb erbeten, um meinen Zweifel loszuwerden. Lebe wohl.“

 

 

Mein Eindruck: Also zunächst mal, ist es ein schöner Brief, der mich als paranormaler Ermittler, sowie auch als Freund der Geschichte gleichermaßen anspricht. Schön zu hören, wie ein Mensch, der vor fast 2000 Jahren gelebt hat, über diese Thematik gedacht hat. Allerdings Plinius als den ersten „Ghosthunter“ zu betiteln, finde ich etwas übertrieben. Da er ehr nur schreibt und nicht aktiv ist, wie zum Beispiel Athenodorus. Er ging der Spur nach und erforschte den Hinweis. Aber ansich ist es einfach nur schön, dass dieses alte Zeugnis erhalten blieb.

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